Freitag, 03.02.2023 08:27 Uhr

Dreizehn Monate Corona – was sagt Italien?

Verantwortlicher Autor: Jasmin Conrad Marano Lagunare, 16.05.2021, 19:17 Uhr
Presse-Ressort von: Jasmin Conrad Bericht 11213x gelesen
Marano Lagunare, Stadthafen
Marano Lagunare, Stadthafen  Bild: Jasmin Conrad

Marano Lagunare [ENA] Das Thema Corona ist nach wie vor sehr präsent – weltweit. Viele Menschen sind müde, ausgelaugt – am Ende. Italien war in Europa das erste Land, welches in einen kompletten Lockdown gestartet ist – ganze drei Monate wurde das System heruntergefahren. Wie stehen die Italiener nach 13 Monaten dazu?

Uns interessiert wie es den Italiener nach dreizehn Monaten Corona Hickhack geht. Wir besuchen das kleine Fischerdorf Marano Lagunare in der Region Friaul-Julisch Venetien, die sich im Norden Italiens befindet. Die Region ist vom Ampelsystem her seit wenigen Tagen wieder in die orange Zone übergegangen. Der Handel hat wieder aufgesperrt, die Bars dürfen für Getränke zum Mitnehmen öffnen, die Restaurants dürfen nur Arbeiter bedienen – nicht geschäftliche Besucher bekommen die Speisen zum Mitnehmen.

Luisa arbeitet im Büro von Portomaran, dem idyllischen Stadthafen. Wir fragen nach, wie sie den Beginn der Coronazeit empfunden hat. Es war schlimm. Wir wussten nicht, was jetzt geschehen würde. Wir hatten Angst. Angst vor dem Virus, Angst vor Strafen, Angst etwas falsch zu machen. Am meisten hatten wir Angst um unsere Existenz. Die Friaulaner sind Arbeiter – schon immer gewesen. Von einer Minute, auf die andere nicht mehr zur Arbeite gehen zu können, war nicht schön. Die Kinder durften nicht mehr in die Schule, hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden. Die alten Menschen fühlten sich einsam.

Italiener sind sehr emotional, wir brauchen den Körperkontakt, umarmen, küssen, miteinander von Angesicht zu Angesicht sprechen – das fehlt uns nach wie vor. Menschen mit Erkrankungen gehen nicht mehr zur Nachuntersuchung, weil sie Angst haben, dass man ihnen Covid Erkrankung „unterstellen“ könnte. Wir haben kein Vertrauen mehr in die Regierung, in Corona, zu anderen Menschen. Viele Menschen denken, dass dieses Virus mit Absicht ausgesetzt wurde, dass mehr als nur eine Krankheit dahintersteckt. Wir möchten uns auch nicht impfen lassen, aus Angst, dass man uns etwas zur Kontrolle einpflanzt.

Claudia besitzt eine kleine Bar 620 PASSI in der Innenstadt. Wir fragen nach, wie sie als Unternehmerin die Situation eingeschätzt hat und welche Unterstützung seitens der Regierung gekommen ist. Am Anfang dachte ich, hey super, jetzt habe ich endlich Zeit, um mich zu erholen. Meine Bar ist 6 Tage die Woche von 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr offen. Ich freute mich auf ein paar Wochen Urlaub.

Nach der zweiten Woche wusste ich nicht mehr was ich machen sollte, mir wurde langweilig und ich dachte daran, dass ich Geld verdienen musste, um meine Kosten zu bezahlen. Italienische Unternehmen müssen am Ende des Monats 62 % vom Umsatz an Steuern abgeben. Vom Rest werden Gehälter und sonstige Rechnungen wie Miete, Strom, etc. Bezahlen. Was dann noch über ist, ist mein Anteil.

Die Gastronomie war insgesamt sechs Monate am Stück geschlossen. Dann kamen teilweise Lockerungen. Öffnung bis Mittag, bis 18 Uhr, bis 22 Uhr und dann wieder komplett geschlossen. Vor ein paar Wochen haben wir endlich eine Zusage der Regierung für die Unterstützung bekommen. Ich musste an die 100 Euro für die Erstellung der Unterlagen bezahlen und habe 2.200 Euro an Zuschuss für die die letzten 13 Monate bekommen. Ich freue mich auf die Touristen, die hoffentlich bald kommen werden.

Sie haben uns aber nicht gesagt, dass Reisende, die mit Flugzeugen über Moskau kommend nicht in Quarantäne müssen. Viele Chinesen haben sich für diese Route entschieden. Wir hatten Angst. Angst davor, was dieses Virus mit uns macht und wie viele Menschen sterben müssen. Heute, nach dreizehn Monaten hat sich nichts geändert. Wir tragen noch immer Masken, dürfen keinen Körperkontakt haben und es sterben nicht mehr oder weniger Menschen als in den Jahren zuvor. Was ich über die Impfung denke? Ich lasse mich nicht impfen, ich weiß nicht was da drinnen ist und ich habe gehört, dass damit die DNA verändert wird. Ich bin gesund, warum soll ich ein Virus in mich injizieren lassen, das mich krank macht?

Giuseppe gehört die kleine Trattoria Al Confine am Stadtrand. Im Februar 2020 erfuhren er und seine Frau Susi das sie ihr zweites Kind erwarten. Wir fragen nach, was er darüber gedacht hat. Als ich erfahren habe, dass meine Frau mit unserem zweiten Kind schwanger war, habe ich mich sehr gefreut. Im März als das System heruntergefahren wurde habe ich zu Susi gesagt, sie soll sich keine Sorgen machen. Unsere Kühltruhe ist voll mit Nahrungsmittel und wenn ich nicht arbeiten kann, habe ich Zeit mich um sie, das ungeborene Kind und um unsere 12-jährige Tochter zu kümmern.

Ich habe mit keinem einzigen Gedanken daran gedacht, dass es nicht richtig ist, das Kind zu bekommen. Ich habe viele Freunde in der Schweiz, hier bin ich geboren und aufgewachsen, wenn es notwendig gewesen wäre, hätte ich hier Hilfe und Arbeit bekommen. Italien verlasse ich nicht, ich lebe hier – hier habe ich meine Existenz und mein Restaurant aufgebaut. Solange ich es halten kann, werde ich darum kämpfen. Unterstützung vom Staat gibt es so gut wie keine. Wenn man in Italien ein Problem hat, das ist es sein eigenes Problem – die Regierung möchte damit nichts zu tun haben.

Wie es weitergehen wird weiß ich nicht. Ab dem 26. April ist eine weitere Lockerung geplant, dann dürfen Restaurants draußen Gäste bedienen. Ich habe auf der Terrasse nicht so viel Platz wie im Innenbereich. Wegen der Coronamaßnahmen müssen die Tische zwei Meter auseinander stehen. Wenn ich dann die Arbeiter nicht mehr drinnen bedienen kann, habe ich noch weniger Umsatz. Nach dreizehn Monaten hat sich nichts geändert außer das die Gesamtsituation und die Wirtschaft miserabel ist. Wenn sich nicht bald etwas ändert, sehe ich keine große Zukunft – weltweit. Impfen? Ich lasse mich nicht impfen. Das Serum ist nicht ausreichend getestet, keiner weiß, was in ein paar Jahren mit dem Körper passiert.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.